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Freiwillige nicht drängen

Susanne Okroy, Einrichtungsleitung Erlenbusch – Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Martha Stiftung Hamburg

Susanne Okroy

Seit wann sind in der Einrichtung Freiwillige im Einsatz?
Seit mindestens 15 Jahren.

Welche Erfahrungen machen Sie mit Freiwilligen?
Ganz unterschiedliche Erfahrungen machen wir mit unseren Freiwilligen. Besonders gut sind diese Erfahrungen, wenn sich die jungen Menschen auf unsere herausfordernde Zielgruppe der Schwerst- und Mehrfachbehinderten einlassen. Unsere Bewohnerinnen und Bewohner haben teilweise schwerste Epilepsien und/oder Spasmen, da ist der Umgang nicht leicht. Diese Freiwilligen bringen häufig gute Ideen und großes Engagement mit. Überdurchschnittlich viele von ihnen sind nach dem Dienst bereit, als Reisebegleitung oder Aushilfskraft tätig zu sein.

Die über 27-jährigen Freiwilligen im BFD sind eine neue Zielgruppe. Fallen dabei Besonderheiten auf?
Bei uns in der Einrichtung sind keine BFDler über 27 Jahren im Einsatz. Allerdings unterstützt uns eine ältere ehrenamtliche Mitarbeiterin manchmal täglich in der Pflege und Betreuung. Wir profitieren sehr von ihrer Lebenserfahrung, sie bereichert unser Team. Wir können uns grundsätzlich die Mitwirkung älterer Freiwilliger gut vorstellen.

Was verspricht sich Ihre Einrichtung vom Einsatz Freiwilliger?
Rekrutierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern versprechen wir uns – das ist wichtig in Zeiten von Erzieher/innen- und pädagogischem Fachkräftemangel. Für unsere Bewohnerinnen und Bewohner sind die Freiwilligen ein wertvoller Beitrag zur Tagesgestaltung, sie bringen Zeit für besondere Zuwendung und Aufmerksamkeit in den straffen Zeitplan.

Gibt es Abteilungen oder Bereiche, die Sie grundsätzlich nicht als Tätigkeitsfeld für Freiwillige sehen?
Außer eigenverantwortlicher medizinischer Behandlungspflege sehe ich alle Bereiche in unserer Einrichtung als mögliches Einsatzfeld für Freiwillige.

Welche Wünsche und Anforderungen haben Sie an die Themen und Ziele der Bildungsseminare (pädagogische Begleitung) für die Freiwilligen?
Ein ganz praktisches Thema, was ich mir immer wieder für die Seminare wünsche: Kinästhetik. Hier geht es um die Aufnahme von Bewegungskraft der Patientinnen und Patienten in die Bewegungsabläufe der Pflege, also Heben vom Boden zum Bett oder Stuhl. Und Kommunikationstraining ist wichtig, damit die jungen Menschen im Gespräch Sach- und Beziehungsebene unterscheiden können und nicht jedes direkte Wort gleich persönlich nehmen.

Wie ist die Praxisanleitung in den Einsatzstellen organisiert? Gibt es dafür Standards?
Bei uns in der Einrichtung gibt es Anleitungspläne, darin werden Stunden und ganze Tage für die Anleitung neuer Freiwilliger vorgesehen. Die Freiwilligen werden dabei zunächst nur auf einzelne Kinder hin angeleitet, um dann umfassend bei der Betreuung und Pflege assistieren zu können. Wenn eine Helferin oder ein Helfer nicht zu einem Kind passt, dann muss sie oder er es nicht betreuen. Es ist uns wichtig, die Freiwilligen nicht in Situationen zu drängen, die sie überfordern. Und das können wir mit dieser Herangehensweise gut steuern und einüben.

 

Zur Person

Susanne Okroy ist seit 2012 Einrichtungsleiterin im Haus Erlenbusch der Martha Stiftung Hamburg. Zuvor war sie viele Jahre als Erzieherin tätig und erwarb zahlreiche Zusatzqualifikationen, beispielsweise im Sozialmanagement. Zwischen 1983 und 1984 absolvierte sie selbst ein FSJ bei der Lebenshilfe und betreute dort schwerst mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche.

Über die Einrichtung

  • Tätigkeitsschwerpunkte: Wohnen und Leben für Menschen mit Schwerst- und Mehrfachbehinderungen in einem Haus für Kinder und Jugendliche und zwei Wohngruppen für Erwachsene
  • Mitarbeiter/innenzahl gesamt: 105
  • Anzahl Freiwillige: 13 im FSJ und BFD, alle unter 27 Jahren; eine ehrenamtliche Mitarbeiterin im Rentenalter
  • Anzahl Einrichtungen: 3 (ein Heim, zwei Wohngruppen)

Weitere Informationen unter: www.martha-stiftung.de/eb/