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Demokratielernen und Erinnerungsarbeit am Bildungszentrum Herdecke

In einer Woche zu lernen demokratischer miteinander umzugehen, demokratiegefährdende Inhalte zu erkennen und mehr über unsere Geschichte zu erfahren, ist eine Herausforderung. Eben dieser hat sich eine Gruppe des Bildungszentrums Herdecke gestellt und sich für eine Auseinandersetzung mit dem Thema Verschwörungsmythen entschieden. Das Angebot sich zugleich auch mit Erinnerungskultur zu beschäftigen, war den Teilnehmenden ebenfalls wichtig, sodass beide Themen nebeneinander in der Woche zur politischen Bildung behandelt wurden.

Die Gruppe befasste sich zunächst mit unterschiedlichen Mechanismen des demokratischen Umgangs. Bereits bei der Themenwahl für die Woche lernten die Teilnehmenden durch die Methode des systemischen Konsensierens, dass demokratische Prozesse immer auch auf der Rücksichtnahme von Bedürfnissen und Grenzen aller Beteiligten basiert. In unterschiedlichen Übungen zeigten sich bei vermeidlich einfachen Aufgaben angelernte Verhaltensweisen, die eben nicht immer demokratisch und rücksichtsvoll sind. Diese Mechanismen zu erkennen, zu verstehen und zu reflektieren haben der Gruppe Demokratie nochmal anders nähergebracht und auch mehr Verständnis füreinander entstehen lassen.

Der nächste logische Schritt war Kompetenzen zu erwerben, um alltägliche Demokratiegefährdungen – vor allem im Internet – erkennen zu können. Die Seminargruppe lernte extremistische Ideologien in Verschwörungsmythen kennen und welche Codierungen und Symbole bei ihrer Verbreitung genutzt werden. Es sind eben diese Kompetenzen, die dabei helfen sich vor Verschwörungsmythen und Falschmeldungen zu schützen.

Im weiteren Verlauf der Woche besuchten die Seminarteilnehmenden die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache in Dortmund – ein ehemaliges Gefängnis aus Weimarer Zeiten, welches in der Zeit des Nationalsozialismus dem Regime als Ankerpunkt für politische Verfolgung und Durchgangsstation vor dem Weitertransport in ein Konzentrationslager diente. Jeder Raum, jede ehemalige Zelle erzählt von einem anderen Thema: von der Verfolgung politischer Gegner oder der Vernichtung von Sinti und Roma, sogenannten „Asozialen“ und jüdischen Menschen. Für den Besuch hat die Seminargruppe ihre eigene Gebäudeführung konzipiert und sich mit einer Auswahl an Themen den Ort selbstständig erschlossen. Das Gebäude, seine Wände und die Geschichte, die sie erzählen, und die Beiträge der Teilnehmenden waren für alle eindrucksvoll.

Die Erinnerungsarbeit und der Umgang mit demokratiegefährdenden Inhalten fand ihren Abschluss in einem kleinen Erinnerungsprojekt. Die Seminarteilnehmenden haben sich entschieden, eine Gedenktafel für die Opfer rechter Gewalt selber zu gestalten. Diese Form der Arbeit mit Biografien diente zwei Zielen des Seminars. Zum einen die extremen Auswirkungen von Falschmeldungen aufzuzeigen und klar zu benennen, dass eine der größten Bedrohungen für die Demokratie von rechtsextremem Terror ausgeht. Vom rechtsextremen Post oder Radikalisierungsvideos auf Online-Plattformen bis hin zur tödlichen Tat lässt sich eine Kontinuität in der Geschichte bis in unsere Gegenwart erkennen und aufzeigen. Zum zweiten sollten mit der Gedenkarbeit und der gestalteten Tafel nicht die Täter, sondern die Opfer, ihre Schicksale und Namen erinnert werden.

Die Teilnehmenden beenden das Seminar motiviert, wachsamer bei demokratiefeindlichen Inhalten zu sein, an Opfer extremistischer Gewalt zu erinnern und selbst demokratischer miteinander umzugehen.