Erinnern für die Zukunft – Gedenkstättenfahrt am Bildungszentrum Herdecke
Zum vierten Mal in Folge nahmen Freiwillige des Bildungszentrums Herdecke an einer Gedenkstättenfahrt nach Berlin teil. Dabei setzten sie sich vor allem intensiv mit dem Nationalsozialismus, dem Holocaust und den Täterinnen und Tätern des NS-Regimes auseinander. Für die Freiwilligen war es nicht nur eine lehrreiche Fahrt, sie berührte sie emotional und regte zum Nachdenken an.
Bereits im Vorfeld hatten sich die Freiwilligen innerhalb des Seminargeschehens mit den Erscheinungsformen des Antisemitismus und Rassismus sowie mit Vorurteilen und Stereotypen im Alltag und in den Medien beschäftigt. Ein Schwerpunkt lag dabei auf dem biografischen Lernen und der Auseinandersetzung mit Biografien als Lernfeld sowie der Medienanalyse mit historischen Fotografien. Hierbei fokussierten sich die Freiwilligen auf verschiedene Gruppen von Menschen, die von den Verbrechen des Nationalsozialismus betroffen gewesen waren. Hierzu gestalteten sie selbst eine Stolpersteinwanderung durch die Dortmunder Innenstadt, um sich vor Ort mit den diversen Opfergruppen auseinanderzusetzen und um etwas über die Biografien hinter den Namen auf den Stolpersteinen zu erfahren.
Das Hauptaugenmerk in Berlin lag daraufhin auf den Täterinnen und Tätern des NS-Regimes, die für die Planung, Anordnung und Durchführung der nationalsozialistischen Verbrechen und des Holocaust verantwortlich waren, während die Denkmäler und Erinnerungsorte einen intensiven Austausch über die Opfer anstießen. Zunächst starteten die Freiwilligen mit einem geführten Stadtrundgang, der essenzielle Stationen des frühen Nationalismus des Jahres 1933 zeigte. Thematisiert wurde dabei die Machtübernahme der Nationalsozialisten, der Reichstagbrand, die Menschen, die sich früh gewehrt haben, das Ermächtigungsgesetz, das als rechtliche Grundlage der nationalsozialistischen Diktatur diente, und die Verfälschung der heutigen Erinnerungskultur durch Filmaufnahmen, bei denen Täterdokumente und Propagandafilme, wie der Film von Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“, unkritisch als objektive Quellen missverstanden werden.
In der geleiteten Führung durch die Ausstellung „Topographie des Terrors“ und der Sonderausstellung „Der Holocaust – Was wussten die Deutschen?“ wurden die Freiwilligen anschließend mit dem Ausmaß und den Verbrechen des NS-Unterdrückungs- und Vernichtungsapparats konfrontiert. Insbesondere wurde hier der Frage nachgegangen, was die Deutschen hinsichtlich der Durchführung dieser Verbrechen zur damaligen Zeit mitbekommen und gewusst haben. In der Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen erfuhren die Freiwilligen zudem von den grausamen Praktiken, die die Nationalsozialisten in dem ehemaligen Konzentrationslager durchführten, von der nicht zu beschreibenden Brutalität, die sie anwandten, die mehrere zehntausend Menschen dort das Leben kostete. Eine weitere Führung durch die Gedenk- und Bildungsstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ zeigte die Bürokratie, Planung, Koordination und Logistik des Holocaust, die die Gräueltaten der Täterinnen und Täter zusätzlich hervorhob.
Zum Abschluss der Fahrt wurden weitere Denkmäler und Erinnerungsorte besucht, um der Ermordeten zu gedenken – Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, die Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde, das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, das Denkmal für die verfolgten Abgeordneten des Reichstags, das sowjetische Ehrenmal sowie das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas. Die Freiwilligen gingen hierbei sowohl der Frage nach, ob die Denkmäler den verschiedenen Opfergruppen gerecht werden können, als auch der Überlegung, was die Darstellung in ihnen auslöste.
Die während der Gedenkstättenfahrt gewonnenen Eindrücke sowie die in den vorbereitenden Seminaren erworbenen Kenntnisse wurden im Rahmen einer Projektarbeit chronologisch in einem gemeinsamen Buch festgehalten, um für die Zukunft zu erinnern.