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Fachtagung am Bildungszentrum Barth/Gutglück

Einmal im Jahr richtet eines der 16 Bildungszentren des Bundes im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) eine zentrale Fachtagung aus. Ziel dieses Formates ist es, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen mit Relevanz für die Seminararbeit im BFD aufzugreifen, Impulse aus Wissenschaft und Praxis zusammenzuführen und die politische Bildungsarbeit in den Seminaren für Freiwillige weiterzuentwickeln.

Die diesjährige Fachtagung des Bildungszentrums Barth/Gutglück fand am 31. März 2026 statt und stand unter dem Titel „Antisemitismus in der politischen Bildung – Herausforderungen und Praxiserfahrungen“; ein Thema, dass nicht erst seit dem 7. Oktober 2023 in der Seminararbeit des BFD eine wichtige Rolle einnimmt.

Die virtuell durchgeführte Fachtagung widmete sich den aktuellen Herausforderungen und praktischen Erkenntnissen in der antisemitismuskritischen Bildungs- und Präventionsarbeit sowie dem Austausch von Methoden und erfolgreichen Beispielen aus der Praxis. Rund 50 Teilnehmende folgten an diesem Tag der Einladung.

Im Einführungsvortrag hob Kai Schubert, Antisemitismusforscher, politischer Bildner und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HWR Berlin (Hochschule für Wirtschaft und Recht), zentrale Anforderungen antisemitismuskritischer Bildungsarbeit hervor und zeigte zugleich deren Potenziale für die politische Bildung auch im BFD auf. Deutlich wurde, dass wirksame Bildungsprozesse ein ausgewogenes Zusammenspiel von Wissensvermittlung und emotionaler Reflexion benötigen und konsequent an den Erfahrungen der Teilnehmenden ansetzen sollten. Politische Bildung kann so einen wichtigen Beitrag zur Demokratiebildung leisten und Freiwillige darin unterstützen, antisemitische Ausdrucks- und Erscheinungsformen zu erkennen und einzuordnen.

Im Impulsvortrag stellte Nikolaus Voss, Beauftragter für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus des Landes Mecklenburg-Vorpommern, die landespolitische Perspektive vor. Im Mittelpunkt standen die Handlungsfelder jüdisches Leben, Erinnerungskultur und der Umgang mit Antisemitismus. Bezugspunkt seines Vortrages bildete insbesondere der Landesaktionsplan gegen Antisemitismus des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der Maßnahmen zur Prävention, Sensibilisierung und Vernetzung bündelt. Deutlich wurde die Bedeutung einer strukturierten und langfristig angelegten Strategie, die auch Bildungsarbeit im außerschulischen Bereich wie zum Beispiel in den Freiwilligendiensten miteinschließt.

Die anschließende Diskussion knüpfte daran an und stellte Fragen der praktischen Umsetzung in den Mittelpunkt des Austauschs. Diskutiert wurde, wie antisemitismuskritische Inhalte wirksam in Seminaren des BFD verankert werden können und welche Methoden sich im Umgang mit aktuellen Entwicklungen bewährt haben. Ein besonderes Interesse der Teilnehmenden lag dabei auch auf neueren pädagogischen Handreichungen und Lehrmaterialien zu den Ereignissen vom 7. Oktober 2023 sowie auf der Stärkung der Handlungssicherheit von Seminarleitungen.

Am Nachmittag fanden insgesamt sechs virtuellen Themenräume statt, denen sich die Teilnehmenden zuordnen konnten. Betreut wurden die Themenräume von Expertinnen und Experten, die ihre jeweilige Arbeit und Projekte vorstellten und einen Austausch unter den Teilnehmenden moderierten. Die Themen umfassten neben der Vorstellung antisemitismuskritischer Bildungsarbeit an den Bildungszentren (Michael Anders, Bildungszentrum Barth/Gutglück), die Arbeit in Gedenk- und außerschulischen Bildungsstätten (Steffi Katschke, Max-Samuel-Haus Rostock), neue und innovative Konzepte der Zeitzeugenarbeit (Pauline Pieper, Zweitzeugen e.V.), Arbeitsweisen der Informations- und Meldestellen gegen Antisemitismus (DIA.MV), Ansätze der politischen Bildung im Sport (Lennart Hoffmann, MAKKABI Deutschland e.V.) oder den Einsatz von Videospielen in der politisch-historischen Bildung (Jakob Saß, Game Change Lab).

Neben teilnehmenden Gästen der Fachtagung nahmen auch Freiwillige im Rahmen ihres Seminars zur politischen Bildung am Bildungszentrum des Bundes Barth/Gutglück teil. Hier ergab sich eine einmalige Gelegenheit für einen Austausch zwischen pädagogischer Praxis und der Zielgruppe.

Ein Themenraum widmete sich den Gedenkstättenfahrten als Beitrag zur antisemitismuskritischen Bildungsarbeit der Bildungszentren des Bundes und deren Vor- und Nachbereitung in den Seminaren des BFD, die einige interessante Anregungen auch für andere Akteure boten.

Im Vergleich der Gedenkstättenfahrten im BFD mit der Bildungsarbeit in Gedenkstätten wurde deutlich, dass insbesondere im Schulunterricht häufig ausreichend Zeit und Raum für eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Antisemitismus sowie eine hierfür notwendige Vor- und Nachbereitung im Rahmen des Besuchs von Gedenkorten fehlt. Eine weitere Herausforderung stellen heterogene Gruppen dar, da die Teilnehmenden unterschiedliche Voraussetzung mitbringen, die zum einen das vorhandene Vorwissen zum anderen aber auch die unterschiedlichen biografischen Bezüge zur Zeit des Nationalsozialismus betreffen. Dies machte deutlich, dass nicht allein die historische Auseinandersetzung, sondern auch die Herstellung von Gegenwartsbezügen notwendig ist, um die Lehren aus der Geschichte vermitteln zu können.

Deutlich wurde, dass die Gedenkstättenfahrten im BFD im Vergleich zu anderen Formaten durch ihre Einbettung in mehrere Seminarwochen und die Möglichkeit der Vor- und Nachbereitung den benötigten Raum für die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus und Erscheinungsformen des Antisemitismus schafft, der in anderen Bildungskontexten nicht in diesem Maße gegeben werden kann.

Die Veranstaltung wurde abgerundet durch eine Zusammenfassung der Diskussionen und Ergebnisse aus den verschiedenen Themenräumen.