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Lernen am historischen Ort – Freiwillige besuchen die Gedenkstätte Augustaschacht

Geschichte an einem historischen Ort zu erleben – mit dieser Erwartung besuchten Teilnehmende des Seminars „Erinnern und Handeln – rechte Gewalt und Zivilcourage in der NS-Zeit und heute“ am Bildungszentrum Bad Oeynhausen die Gedenkstätte Augustaschacht bei Osnabrück.

Bei einer Führung durch das ehemalige Arbeits- und Erziehungslager konnten die Teilnehmenden die Lebensbedingungen der Häftlinge und die Geschichte des Arbeits- und Erziehungslagers kennenlernen. Zwischen 1944 und 1945 wurden dort Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus 17 Ländern unter unmenschlichen Bedingungen zu Strafzwecken inhaftiert. Die bedrückende Atmosphäre der historischen Räume und die eindrücklichen Schilderungen des Guides machte die im Lager alltäglich herrschende Gewalt greifbar. Insbesondere eine schmale Holztreppe zur Essensausgabe hinterließ bei den Teilnehmenden einen bleibenden Eindruck. Sie erfuhren, dass Häftlinge dort beim Warten auf die einzige Mahlzeit des Tages von den Wachleuten zusammengedrängt und brutal verprügelt wurden.

Im Anschluss hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, die Dauerausstellung „Polizeigewalt und Zwangsarbeit“ eigenständig zu erkunden. Mithilfe tragbarer Mediaguides konnten sie an verschiedenen Stationen Erinnerungen ehemaliger Gefangener sowie Berichte von Anwohnerinnen und Anwohnern in Videoform abrufen.
Abgerundet wurde die Exkursion mit einem Mini-Workshop, in dem die Perspektiven, Motive und Handlungsspielräume der beteiligten Personen näher beleuchtet wurden. In Kleingruppen setzten sich die Teilnehmenden mit unterschiedlichen Biografien von Täterinnen und Tätern, Anwohnerinnen und Anwohnern und Inhaftierten auseinander.
Nach einer kurzen Vorstellung der einzelnen Lebensgeschichten diskutierte die Gruppe gemeinsam über mögliche Handlungsspielräume, individuelle Motive sowie über die juristische Aufarbeitung der Täterschaft nach 1945.

Anschließend wurde der Bogen zur Gegenwart gespannt. Hierbei tauschte sich die Gruppe zu Fragen über eigene Handlungsoptionen aus: Wie kann ich gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit begegnen? Wo sind dabei meine persönlichen Grenzen gesetzt? Wie begegne ich strafbaren Inhalten im Netz?

Nach dem Besuch der Gedenkstätte zeigten sich die Teilnehmenden von den Schicksalen der Häftlinge persönlich berührt. Insgesamt hat der Gruppe der Kontrast der modernen, interaktiven Ausstellungselemente zu dem historischen Gebäude sehr gut gefallen. Sie nahmen zudem neues Wissen über das in der Öffentlichkeit unterrepräsentierte Thema „Zwangsarbeit“ mit.