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Joschi Schlag, 19 Jahre
Radio Lohro, Rostock

Auf Ohrenhöhe mit den Hörern

Porträt von Joshua Schlag

Nein, Radio war eigentlich nicht Joschi Schlags Ding: seichte Musik, erwartbares Programm, krankhaft gut gelaunte Moderatoren. „Überall der Versuch, die Hörer mit allen Mitteln zu binden.“ Nie hätte sich Joschi Schlag, der Medizin studieren möchte, vorstellen können, im Radio selbst auf Sendung zu gehen. Bis er Radio Lohro hörte. „Krass, wie viele Freiheiten und Kompetenzen wir hier haben.“

In der Tat ist bei Lohro (die Abkürzung steht für Lokalradio der Hansestadt Rostock) manches anders. Radio Lohro ist ein nichtkommerziell arbeitender Sender, bei dem weder nervige Werbung noch abgenudelte Charts das Programm bestimmen. Es gibt weder festgefahrene Hierarchien noch langweilige Routine. Stattdessen versteht sich der Sender, der bereits seit 2005 on air ist, als redaktionell verantwortetes Mitmachradio. Joschi Schlag: „Wir senden auf Ohrenhöhe mit den Hörern.“ Die Palette an Themen ist dabei so breit wie das Interesse der Hörer, denn die Hörer gestalten ihr Radio mit. Das Besondere: Die Sendungen werden nicht, wie bei vielen offenen Kanälen üblich, von den einzelnen Machern, sondern vom gesamten Sender verantwortet.

Als sich Joschi Schlag im Mai 2019 bei Lohro bewarb, ahnte er nicht, wie schnell er unter kompetenter Anleitung selbst schreiben, recherchieren, schneiden und moderieren würde. Als er das erste Mal vor dem Mikro stand – Joschi sprach die Nachrichten in der Morgensendung – war er „aufgeregt wie selten im Leben“. Das Lampenfieber legte sich schnell. Schon bald wagte er sich auch an kontroverse Polit-Themen, die selbst für gestandene Journalisten harte Brocken sind, der Konflikt zwischen Iran und den USA etwa. Porträts, Interviews, Reportagen, Joschi Schlag bespielte schon nach wenigen Wochen professionell die Klaviatur journalistischer Möglichkeiten. Dass er als Freiwilliger ein wenig mit Netz und doppeltem Boden arbeitet ­ – neben der Fachanleitung in den verschiedenen Redaktionen stehen ihm auch an anderen Stellen erfahrene Profis zur Seite, regelmäßig trifft man sich zu Redaktionskonferenzen – beruhigt ihn.

Ansonsten hat Joschi Schlag, der nach seinem Freiwilligendienst ein Medizinstudium beginnen oder eine Pflege-Ausbildung absolvieren möchte, gerade wenig Ruhe. Corona treibt ihn um, er spricht mit alleinerziehenden Müttern ebenso über die Auswirkungen des Virus wie mit dem Oberbürgermeister oder dem Landesgesundheitsamt. „Durch die Arbeit bei Radio Lohro lerne ich Menschen und Perspektiven kennen, mit denen ich sonst kaum in Kontakt käme.“ Das ist spannend für Joschi Schlag wie für seine Hörer.

Die Einsatzstelle: Radio Lohro (zu empfangen im Stadtgebiet Rostock auf UKW/FM 90,2 MHz, im Kabelnetz 94,0 MHz sowie überregional per Internet-Stream) ist ein nichtkommerziell arbeitendes Mitmachradio, bei dem sich in 30 Musik- und Wortredaktionen Alt und Jung aus unterschiedlichen Schichten, Branchen und Ländern engagieren und das Programm prägen. Bundesfreiwilligen bietet der Sender nicht nur die perfekte Einführung in den Rundfunkjournalismus, sondern auch reichlich Freiraum für eigene kreative Ideen.

Webseite der Einsatzstelle:www.lohro.de