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Jan Merlin Müller, 18 Jahre
Universitätsmedizin Rostock

Zeit für einen Schnack zwischendurch

Porträt von Jan Merlin Müller

Die intensivsten Momente dauern oft nur Minuten. Dann steht Jan Müller auf „seiner“ Station, der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie der Universitätsmedizin Rostock, mit offenen Ohren neben einem Bett und hält die Hand eines Patienten. Solche kurzen „Schnacks zwischendurch“, gehören für Jan Müller zu den schönsten Seiten seines künftigen Berufs. Der 18-Jährige möchte, auch wegen solcher Momente der Nähe zu den Patienten, Krankenpfleger werden. Illusionen hat er nicht. Wie hart die Arbeit in der Pflege ist, weiß er von seinen Eltern. Beide sind Pflegefachkräfte, die Mutter leitet einen ambulanten Pflegedienst. Dass Jan sich nach dem Realschulabschluss einen Tick zu spät für eine entsprechende Lehrstelle bewarb, war zugleich Pech und Glück. „Ein Glück, weil es den Freiwilligendienst gibt.“ Jan bewarb sich als „Pflege-Bufdi“ bei der Universitätsmedizin Rostock.

Eine spezielle Erfahrung ist der Wecker. Er schmeißt Jan Müller bereits um 3:30 Uhr aus dem Bett. Zwar beginnt die Frühschicht „erst“ um 6 Uhr, doch vorher muss Jan sechs Kilometer auf dem Fahrrad zum Bahnhof strampeln, um den ersten Zug nach Rostock um 5:20 Uhr zu erwischen. Der Alltag auf der Herzchirurgie-Station, wo Patienten etwa aufwändige Schrittmacher oder Herzpumpen bekommen, aber auch Notfälle behandelt werden, beginnt mit der Übergabe der Nacht- an die Frühschicht. Eine halbe Stunde später startet die Morgenrunde: Jan hat stets 10 bis 12 Patienten, die er, wenn nötig, wäscht, kämmt, ihnen beim Zähneputzen oder beim Gang zur Toilette hilft. Natürlich immer gemeinsam mit einer erfahrenen Pflegerin oder einem Pfleger. „Man wird hier nicht allein gelassen und bekommt viel Verantwortung“, sagt Jan. Doch gerade bei der Morgenrunde bleibt Zeit für Nähe und Gespräche. „Unsere Patienten sind ja meist älter. Ein paar Worte über Kinder und Enkel oder das Wetter, so kommt man sich schnell näher.“

Apropos schnell: Jans Arbeitstag ist genau durchgetaktet: Er unterstützt bei der Frühstücksausteilung, nimmt gemeinsam mit erfahrenen Pflegern an der Visite teil, hilft in Küche und Wäschekammer sowie der Vorbereitung von Patienten für den OP, bringt Patienten zu Untersuchungen auf andere Stationen, wechselt unter Anleitung Verbände und Bettzeug. Strukturiert und stressresistent muss man in diesem Job sein. Job? Jan Müller hört das Wort nicht gern. Für ihn ist der Pflegeberuf Berufung. Gerade hat er die Zusage für seinen Ausbildungsplatz an der Rostocker Universitätsmedizin bekommen. Reaktion der Kollegen von der Herzchirurgie: „Spätestens nach der Ausbildung wollen wir dich hier wiedersehen!

Die Einsatzstelle: Rund 40 Freiwillige arbeiten momentan an den Standorten der Universitätsmedizin Rostock (Mecklenburg-Vorpommern). Hierbei werden Freiwillige in den Bereichen Pflege sowie Haustechnik und Gärtnerei eingesetzt. Im Bereich der Pflege gibt es neben der Herzchirurgie weitere spannende Einsatzgebiete: Zentral-OP, Notfallambulanz, Pflege auf den Stationen verschiedener Kliniken, z. B. Chirurgie, Zentrum für Nervenheilkunde, Zentrum für Innere Medizin etc. Viele der Freiwilligen bereiten sich durch den Dienst im Pflegebereich auf eine Pflegeausbildung oder ein Medizinstudium vor.

Webseite der Einsatzstelle:www.med.uni-rostock.de

Text: Lars Herde
Foto: Margit Wild